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siehe auch  Menuepunkt  "Schrift Krudewig": Beschreibung eines Weges von Deutz nach Poll und Beschreibung des "Poller Heimatmuseums"

 

 

im Gedicht von Küpper werden "Maifleute" erwähnt:

Zur Erlätuterung das Geschichtchen "Maiflöötche" von Hans Burgwinkel aus Zündorfer heimatseiten:

 

Maiflöötche 25.11.2010

Eine besondere Herausforderung und Ehre für ne Zündorfer Jung war die Herstellung eines Maiflötchens. Von den Weiden am Rhein (aber das ist eine andere Geschichte) wurde im Frühjahr – der Trieb musste schön saftig sein – wurde ein finger- bis daumendicker, junges Trieb abgeschnitten. Hierzu hatte ich mein scharfes und massives „Pfadfindermesser“ von der Pfadfinderschaft St. Georg in Zündorf (aber das ist eine andere Geschichte) – andere Messer waren ungeeignet, weil sie entweder nur scharf oder schwer waren. Zur Herstellung eines Flötchens wollte man ja eigentlich nur ein einziges Werkzeug verwenden.

Dann wurde der Trieb, der keine Seitentriebe oder Astaugen haben durfte, auf einem geraden Untergrund an einem Ende gerade geschnitten wurde. 2cm vom Anfang entfernt, wurde eine 5mm Kerbe oben ins Holz geschnitten und am Anfang auf der entgegengesetzen Seite unten das Holz als Mundstück ca. 5 mm hoch und 10 mm lang angeschrägt. Bei etwa 10-15 cm wurde ein Rundschnitt durch die Rinde bis aufs Holz gemacht.

Anschließend – das war der schwierigste Teil – wurde die Rinde mit dem Messerseite vorsichtig unter Drehen des Holzes geklopft, bis sie sich vom Holz lösen/drehen ließ. Der Holzkern wurde dann am langen Stück vorsichtig herausgezogen. Vom „Anfang“ bis zur Kerbe wurde dann oben ein ca. 3mm Segment des Kerns abgeschnitten (später konnte /musste dies oft nachgearbeitet werden) und das erste Holzteil zu Beginn des Kerbschnitts gerade abgetrennt (meist auf hartem Untergrund mit ständigem Drehen). Dann konnte der hintere Teil, der ca. 1 cm länger als der „Rundschnitt“ sein sollte, ebenfalls abgetrennt werden. Wenn man jetzt das Endstück etwas herauszog und in das Mundstück blies, waren die ersten Töne zu hören – oft musste etwas nachgearbeitet werden, um schöne, laute Töne zu erzeugen. Durch Verschieben des Endstücks wurde die Tonhöhe bestimmt.

 

Auszüge aus Peter Simons, Illustrierte Geschichte von Deutz, Kalk, Vingst und Poll, Illustrierte Geschichte von Deutz, Kalk, Vingst und Poll

Ein Beitrag zur Geschichte des kurkölnischen Amtes Deutz von Peter Simons

Cöln-Deutz 1913,

Verlag und Druck Nagelschmidtsche Buchdruckerei, Cöln-Deutz

(Inhaber: Engelbert Nagelschmidt)

 

  1. Das festliche Jahr
  2. Kirmes in Poll
  3. Poller Maispill
  4. Der Fischfang zu Poll
  5. Poll in ahler Zick
  6. Aus Sturmes Not

 

 

Das festliche Jahr

 übertragen von Hans Burgwinkel

Simons S. 331- 333

 

Die Neujahrsnacht verbrachten die Burschen vielfach in den Schenken bei Freitabak und Kartenspiel um die vom Wirt gespendeten Brezel. Punkt 12 Uhr wünschte einer dem andern ein „Glückselig Neujahr!“ wie es sich auch am Tage selbst Freunde und Bekannte gegenseitig das neue Jahr abzugewinnen suchten. Das Schießen der Dorfburschen vor den Türen ihrer „Mailehen“ konnte nur durch strenge polizeiliche Maßregeln unterdrückt werden. Allgemein war die Sitte des Geschenkgebens und –nehmens, namentlich zwischen Paten und Patenkindern; und manch kleiner Fant trug im Arm einen pflugradgroßen Bretzel nach Hause, nachdem er mutig sein Sprüchlein aufgesagt:

 

Glöckselig Neujohr,

Der Kopp voll Hoor,

Der Monk voll Zäng

On der Bretzel en der Häng“.

 

Dreikönigen war ein guter Tag für das Gesinde, das abends volle Mahlzeit wie zu Mittag erhielt. Dabei blickte einer nach dem anderen durch den weiten Kamin gegen Himmel. Soviele Sterne man zählte, soviel Glas Bier waren dem einzelnen zugedacht.

 

Fastnacht zeigte sich der Trubel wie heute auf Straßen und Gassen. Der Janhagel zog mit dem „Rummelspott“* von Tür zu Tür, sammelte Gaben ein und sang:

 

Rummelspott, wiesüht et us,

He kütt e ne Wolf en et Hus,

Git und get, dann get et erus.

Moß ich lier, tapeziere,

stech däm Hönkche e Piefche an,

Dat hä noch get flöppe kann.

Flöpp, flöpp, flöpp.

 

Am Sonntag nach dem Johannisfeste flochten die Jungfrauen aus Johanniskraut die allerwärts bekannte Johanniskrone, schmückten sie mit einem Kranze ausgeblasener Eier und hingen die mittels eines Seiles über die Straße an zwei gegenüberliegenden Häusern auf, woselbst sie eine Woche lang verblieb. Die Jungfrauen zogen alsdann mit einer Flasche Wein durch den Ort und präsentierten den Vorübergehenden gegen ein kleines Trinkgeld ein Gläschen „Johanniswein“, ein Brauch der sich bis zur Eingemeindung 1888 erhielt.

 

Beim Einsammeln der Pfingsteier am Pfingstmontag sangen die Reihburschen:

 

Wir kommen ob die Diere ??,

He wonne riche Hääre,

Get us och e Pengsei,

Schlonn mer en de Pann entzwei,

Get us och get Speck,

Dat mät dä Mode fett.

Get us och get Brotwuesch,

Dat stopp der Honger un leisch der Duesch.

 

Fielen die Gaben reichlich aus, so hieß es:

 

Dä N.N. es ne gode Mann,

Dä git dä Jonge, wat hä kann.

 

Zum Schluß begab man sich ins Stammlokal, um sich an Eierkuchen und Bier gütlich zu tun.

 

Kirmes in Poll

 übertragen von Hans Burgwinkel

aus Peter Simons, Illustrierte Geschichte von Deutz, Kalk, Vingst und Poll, S. 334 -336

mit freundlicher Genhmigung der Erben

 

Zum zweiten und letzten Male trat der Junggesellen-Reih in Aktivität, wenn am zweiten Sonntag im Oktober die Kirchweihe oder Kirmes gefeiert wurde. Mehrer Wochen vorher bildeten die Burschen „Gelag“ und unterhandelten mit einem Wirt um die Bereitstellung eines Tanzlokales „für die Tage“. Die Gelagsjungen sorgeten für gute Musik und nahmen dafür das Tanzgeld ein, während dem Wirt die Einnahmen aus den Getränken verbleib. Am Abend vor dem Zelte fand im Stammlokale die Versteigerung der „Kirmesmädchen“ in der üblichen Weise statt; dann zogen die Burschen unter Gesang und Musik vors Dorf zur großen Sandkaule, gegenüber der Schule, gruben ein Loch und erklärten die Kirmes als offiziell „herausgeholt“, wobei es an der nötigen Befeuchtung nicht fehlte.

 

Nach Ausführung dieser „Ceremonien“ verfügten sich die Burschen wieder zum Stammlokal und tranken auf das Gelingen des festes. Sonntag, „Kirmeseins“, wie es am Rhein heißt, begann mit Schluß des Nachmittagsgottesdienstes sofort die Musik, und die Gelagsburschen ordneten sich zum Festzuge. Ein besonders humoristisch veranlagter Jüngling, der sich zur Erzeugung einer gehobenen Stimmung noch einige „hinter die Birne“ gegossen hatte, sprang mit einer buntaustaffierten Strohpuppe, dem Zachäus oder Peias, dem Zuge vorauf und machte komische Tänze und Schwenkungen. Wenn dann der Popanz wie eine Rakete in die Luft schoß und von seinem Träger wieder aufgefangen wurde, brach das Publikum in Beifall und Jubel aus. Im Tanzlokal erhielt der „Zachäus“ den Ehrenplatz vor der Musikbühne und verbleib dort die Kirmestage. Häufig stand er auch in vergrößertem Maßstabe mit bunten Bändern auf dem Kopfe, neben der Tür des Gelagshauses oder gar auf dem Strohdach des Kielshofes. Hielt den Kochlöffel, die Bierkanne oder den „Weckblatz“ in der Hand und lud alle fremden Gäste zum Kirmesschmaus ein.

 

Aber woher der Namen dieser seltsamen Figur ? Die Alten erzählten, dass der biblische Zachäus, dessen Perikope auf das Kirchweihfest fällt, die Kirmessen eingeführt habe, als er dem Heilande vom Feigenbaum herunter sein gastliches Haus anbot und aus göttlichem Munde die Worte vernahm: „Heute ist diesem Hause Heil widerfahren!“. Weil aber der Gastgeber klein an Gestalt und dazu noch verwachsen gewesen sein soll, darum muß auch der „Kirmeszachäus“ das eine oder andere körperliche Gebrechen zur Schau tragen.

 

An den Kirmestagen ward reichlich Gelegenheit geboten, das Tanzbein zu schwingen, an den drei ersten Tagen der Jugend, am letzten Tage, „Kirmesvier“, den Alten. „Kirmeszwei“ sammelte sich der Reih unter Begleitung der Musik die „Kirmesblätze“ im Dorfe ein, die ein Mitglied mühsam in einem großen Sack nachschleppte. Den gütigen Spendern zollte die übermütige Schar Beifall und Lob, indem unter brausenden Hochrufen jedes Mal die Musik aufspielte. Dem Geizhals aber sang man zum Abschiede:

Dat Hus dat steht op Stippe,

Der Düvel soll et wippe,

Rosen das sind Blümelein,

Alle wollen wir lustig sein.

 

Besonders reichlich fiel die Spende stets auf dem Kielshofe aus, dort wo die Halfesch“ mit ihrem Gesinde, wie beim Maifest, das Tanzbein schwang.

Am Kirmesmittwoch bildeten die Blätze den nötigen Stoff zum Kaffee, den der Wirt in der Stammkneipe zum Besten gab, auch hier durfte die Musik nicht fehlen.

 

„Kirmesdrei“ (Mittwoch) galt auch dem Hahnschlagen. Von jeher besaß der Kielshof das Privileg, den Kirmeshahn zu spenden, den die Burschen, nachdem sie ihm ein buntes Taschentuch um den Hals gebunden, durch Dorf trugen und zuletzt auf dem Platze vor dem Kielshofe in die Erde vergruben, dass nur der Kopf sichtbar blieb. Jeder Gelagsjunge hatte das Recht, bei verbundenen Augen mit dem Dreschflegel oder einem sonstigen vom Verein bestimmten Instrumente dem Hahn einen Schlag zu versetzen. Wer ihn totschlug, war „Hahnenkönig“ und wurde durchs Dorf gefahren; häufig erhielt er auch noch eine Prämie. Zuletzt wurde der Hahn von den Festgenossen verzehrt. Auffallend ist, dass sich die rohe Sitte des Hahnschlagens so lange halten konnte; in den letzten Dezenien ihres Bestehens waren es sogar mehrere Tiere, die auf solche Art ihr Leben lassen mussten.

 

So drängte in den fröhlichen Kirmestagen ein Spiel das andere, und wenn das fest zu Ende ging, Mittwochabend, legte man den Zachäus auf eine Bahre, bedeckte sie mit einem weißen Leichentuch und trug ihn unter wehmütigen Gesängen durchs Dorf und hinaus zur Lehmkuhl, wo die Kirmes „begraben“ werden sollte. „Da hielt der redegewandteste Reihbursche eine kurze Ansprache, ließ den Strohmann anzünden, und die ganze Gesellschaft tanzte um denselben herum und sang nach den Klagetönen der Musik“.

 

Als Lazarus gestorben war, da weinte Susann, Katrin, Philippin

An der Wenkmöll geng der Wäg heröm

Do kom ´ne Kähl erus,

dä kratz die Pief us,

O Moder, die Fenke sen dut,

Se fresse net emol mie e Grömmelsche Brut

Hädde dä Fenke ze fresse je gegevve

dann wöre de Fenke am Levve gebleve.

O Moder usw

 

Zuweilen ward der Zachäus auch durch Ertränken im Rhein „vom Leben zum Tode“ gebracht, stets jedoch unter lebhaftem Protest der Fischer, die in der Kirmessaison fast alle Tage solche abgelegten „Männer“ in ihren Netzen auffischten.

 

Donnerstag nach der Kirmes zogen die Weiber, die noch immer nicht zur Ruhe kommen konnten, mit dem Kehrbesen über die Straßen und scharrten, wie sie vorgaben, das Geld aus den Gossen zusammen. Blieb die Arbeit ohne Erfolg und das war wohl stets der Fall, so zogen sie an das Grab des Kirmesmannes und stimmten ein Klageleid an.

 

Heute lädt die Poller Kirmes, die noch stets auf die benachbarten Städter ihre Anziehungskraft ausübt, auf den letzen Sonntag im August.

 

 

 

Poller Maispiel

 übertragen von Hans Burgwinkel

aus Peter Simons, Illustrierte Geschichte von Deutz, Kalk, Vingst und Poll, S. 333, 334

mit freundlicher Genehmigung der Erben

 

Alljährlich am ersten Sonntag im Mai begeht der Ort Poll sein hergebrachtes Maifest mit den zahlreich herbeigeströmten Fremden aus der Stadt in brüderlicher Solidarität. Die Vorbereitungen zu diesem Volksfeste begann ehedem gewöhnlich am Sonntag nach Ostern durch die Bildung eines Klubs oder Reihs der Poller Junggesellen im Stammlokale beim Wirt W. Hackenbroich, woselbst die Wahl des Reihmeisters, des Zugführers, des Kassierers, des Schriftführers und des sogenannten „Jungendieners“ in öffentlicher Versteigerung vor sich ging. Alsdann folgte nach altem rheinischen Brauch das Ausbieten der heiratsfähigen Dorfmädchen, wobei man namentlich darauf hielt, dass die „Schönen“ um einen möglichst hohen Preis von ihren Verehrern angesteigert wurden. Diejenigen Mädchen, welche keinen Käufer gefunden , kamen in den „Dotz“ und mit diesem in Besitz eines Reihburschen, des „Dotzhalfen“, dem dabei das recht verblieb, einzelne Vertreterinnen des schönen Geschlechts, falls sich für dieselben noch ein Käufer fand, für einen angemessenen Preis abzugegeben. Wer bei dieser öffentlichen Auktion ein Mädchen erstanden, hatte allein das Recht und die Pflicht, dieselbe beim Maispiel zum Tanz zu führen und nach besten Kräften zu unterhalten.

 

Fröhliches Leben und Treiben herrschte auch am Abend vor dem ersten Mai auf den Straßen des Ortes. Jeder Reihbursche steckte seinem „Mailehen“ so nannte er seine Auserkorene, einen stattlichen Birkenstrauß an die Haustür, und der Wirt richtete neben der seinen einen hohen Birkenbaum von 15 bis 20 Meter Länge auf. Am Maifeste versammelte sich die Gesellschaft nach beendigtem Hauptgottesdienst zu Deutz „Im Fässchen“ und marschierte, nachdem dem Bürgermeister und dem Pastor ein Ständchendargebracht worden war, unter den Klängen der Musik nach Poll.

 

An der Spitze des Festzuges, der sich am Nachmittage durch die Hauptstraßen des Ortes bewegte, sprang der „Jungendiener“ in blauer Jacke und weißer Schürze, ein rotes Seidentuch an der Brust und den „Sechszehenstock“ (Ringkappe) auf dem Kopfe. In der Hand schwang er die Milchkanne mit edlem Gerstensaft, womit er die Mitglieder des Reihs von Zeit zu Zeit labte. Ihm folgten der Zugführer, einen Blumenstrauß am Rocke, die Musik, der Reihmeister mit dem prächtigen Federbusch, der Kassierer, der Schriftführer und das Gros der Gesellschaft, Blumensträußchen als Abzeichen tragend. Dem Gemeindevorsteher und seit 1864 auch dem Ortsgeistlichen galt eine Ovation, und in feuchtfröhlicher Stimmung ging es zur „Kielshalfesch“, der man für die gastliche Bewirtung nach altem Brauch die beiden zuerstgefangenen Maifische verehrte. Nach Beendigung des Festzuges begann im Stammlokale das „Gelag“, die Reihmusik, bis die vorgerückte Abendstunde zum Aufbruch mahnte. Bis zum Jahre 1856 hat das Maispiel, das heute den Charakter eines Jahrmarktes angenommen, in der alten Zeit bestanden.

Der Fischfang zu Poll

übertragen von Hans Burgwinkel

aus Peter Simons, Illustrierte Geschichte von Deutz, Kalk, Vingst und Poll,

Cöln-Deutz 1913, Seite 328 - 331

mit freundlicher Genehmigung der Erben

 

„Fresche Meifeesch“, Poller Meifesch!“ riefen die Frauen mit dem geblümten Rock, der blauen Schürze und dem weitern Kopftüchlein, wenn sie im Lenzemonat hinter dem Fischwagen her durch die Straßen der Großstadt zogen und ihre Ware an den Mann zu bringen suchten oder, wie der Volksmund sagte, „prinzen gingen“. Der Fischwagen, gewöhnlich ein gemietetes Rollfuhrwerk, war mit grüne angestrichenen Bütten vom Maifische besetzt und oben stand ein robustes „Prinzchen“, so nannte man die Poller Fischerfrauen, und schwang drohend den dicken Weidenknüppel, wenn eine unberufene Hand sich nach dem fremden Gute ausstreckte. Von den Hauptstraßen trugen die „Prinzchen“ die Bütten auf dem Kopfe in die Seitengassen und in die Häuser, wo sie stets gute Abnehmer fanden. Und wenn der letzte „Schwanz“ verkauft war, zogen die Frauen oft zu dreißig bis vierzig zusammen nach der alten Landestelle der Poller Milchnachen an der Rheingasse oder am B(?)anen, setzten ihre Bütten auf den Kahn und zogen ihn an einem langen Seile stromaufwärts bis Marienburg, wo sie sich nach Poll übersetzen ließen.

 

Der Maifisch von dem oben die Rede war, ist ein „Kind des Meeres“, das im Frühjahr (20. April bis 20 Mai) den Rhein hinaufstieg, um seine Eier abzulegen. Sein Gewicht schwankt zwischen zwei bis sechs Pfund, ein charakteristisches Erkennungszeichen sind die beiden schwarzen Punktreihen auf dem Rücken und der stumpfe Kopf. Der Unkundige aber, der nach Poll kommt, um Fische zu essen oder zu kaufen, sieht jeden Fisch für einen Maifisch an; denn unzertrennlich ist sein Namen mit dem des Ortes verknüpft. Von Februar bis April fängt man den silberweißen Wintersalm, dessen Gewicht selten unter zwanzig Pfund beträgt, von April bis August den kleinen Sommersalm oder „Äugsling“ und den „Jakobssalm“ dazwischen noch vom 15. Mai bis 20. Juni die sog. Finken oder Finten, ein Bachfischsorte minderer Qualität. Mit dem Fang des „kupfernen“ oder „silbernen“ Herbstlachses (15. September bis Ende Oktober) findet die Fischerei ihren Abschluß. Den besten fang seit Menschengedenken machten die Fischer am 23. April 1878, nämlich 183 große Maifische in einem Zuge. Überhaupt war das Gewerbe damals noch so ergiebig, dass man die Fische karrenweise über Land fuhr und zu 20 bis 30 Pfennig das Pfund absetzte. Nur selten geht ein Stör in die Netze, 1976 fing man ein Tierchen von 435 Pfund.

 

Die Poller Fischer bilden heutzutage zwei Gesellschaften zu je acht Mann, die ,,Berg-" und die ,,Zeiegezau". Wenn im Frühjahr der Wintersalm den Rhein hinaufzusteigen beginnt, treten dieselben im alten Stammlokale bei Kasimir Ditzer (früher Matthias Hackenbroch) zusammen und erklären das Geschäft für eröffnet. Das Los entscheidet, welche Gezau den Fang beginnt, und von dieser Stunde an wechseln sich die beiden Kompagnien alltäglich ab.

Der Maifischfang geschieht seit undenklichen Zeiten mit einem 200 m langen und über 2 m breiten Schleppnetze, dessen Maschen so weit sind, daß die kleinen Fische hindurchschwimmen können. An einer Seite ist das Netz mit Bleistücken beschwert, wahrend es an der anderen von großen Korkstücken über Wasser gehalten wird.

Soll der Zug beginnen, so wird das Netz auf einen mit hölzernen Bogen überspannten Nachen gelegt Steuermann, Nachenjunge, ,,Bankemann" und ,,Voraufsmann" nehmen darin Platz, und nun geht’s rheinaufwärts bis Rodenkirchen. Der Steuermann hat die Oberaufsicht über den Fang, der Nachenjunge lenkt den Kahn, und der ,,Bankemann", auf der schwankenden Kahnbank sitzend, bewegt kräftig die Ruder, wobei ihn der ,,Voraufsmann" unterstutzt. Endlich ist die ,,Wasserpartie" am Ziel gen Rodenkirchen gelandet, wo sie die ,,Landpartie" begrüßt, den ,,Leitseilsmeister" und seinen Knecht. den „Durchleitsmann" und den „Loderjungen". “Kapp ab zum Gebet!" ruft ernst der Steuermann, und alle lüften den ledernen Hut mit der Ohrenklappe, den unentbehrlichen „Südwester" bei Sturm und Regenschauer. Jeder verrichtet nach altem Fischerbrauch sein Vater unser; dann ruft der Steuermann: In Gottes Namen!" und mit kräftigen Schlagen stößt der Kahn vom Ufer der Mitte des Stromes zu. ,,Leitseilsmeister", Knecht und ,,Durchleitsmann" halten das Ende des Netzes an einem langen Seile zurück, damit es nicht von der Strömung abgetrieben werde, eine Arbeit, die fast übermenschliche Kraftanstrengung erfordert.

 

Der Steuermann bestimmt das einzukreisende Stromgebiet und gibt das Signal für etwa vorüberfahrende Schiffe, am Tage mit der Fahne, bei Nacht mit der Laterne. Ist das Netz bis zum Ende abgewickelt, so wirft der „Bankemann" das ,,Kendel" in die Flut, eine 4V2 m lange Stange. die unten mit einem Eisenschuh versehen ist.

Bei den schwarzen Fischerhäuschen landet die Gezau, das Seil mit dem Netze ans Ufer ziehend, wo es der Loderjunge an der „Reeling“ ordnungsmäßig zusammenlegt. Je kleiner der vom Netze begrenzte Halbkreis wird, um so mehr wachst die Ungeduld der Fischer, die auf einen guten Fang hoffen wie der zahlreichen Zuschauer, die aus der Stadt herbeigeeilt sind, um einen frischen Fisch an Ort und Stelle zu erstehen. Endlich ist die Absperrung bis auf einen kleinen Raum reduziert. Da wimmelt es oft von Fischen, großen und kleinen; zuweilen zeigt auch ein gewaltiger Stör durch kräftigen Wellenschlag seine Anwesenheit an und stößt zornig gegen das Netz. Gelingt es ihm dann, durchzudringen, so hat er doch die goldene Freiheit nicht erlangt; denn die Fischer haben vorsichtigerweise ein zweites Netz mit engen Maschen, das sog. ,,Umnetz", aufgestellt, das zugleich das Überspringen der Lachse verhindert. Der Stör aber wird mit dem Ledergurt aufgehoben, gefesselt und eine Woche lang dem schaulustigen Publikum gezeigt.

Eine volle Stunde hat der ,,Zug" gedauert. Der Köderjunge sammelt die zappelnde Ware in einen Korb, umdrängt von dem ungeduldigen Menschenknäuel. Bald sind alle Wünsche erfüllt, und stolz trägt der Käufer die Beute in einem kleinen Netze oder an einer durch die Kiemen gezogenen Weidenrute nach Hause. Die nicht veräußerten Fische wandern in das ,,Fischkar" und werden mit diesem ins Wasser gebracht. Eine kleine Stärkung nehmen die Fischer in ihrer Hütte zu sich, dann beginnt der Fang von neuem, bis sich der Abendschatten über die Fluten des Rheines senkt. In der Hochsaison aber gönnt man sich oft die Nachtruhe nicht und das bei sehr zweifelhaftem Verdienst; denn schon seit Jahren ist der Maifischfang, der früher zahlreiche Familien des Ortes ernährte, immer mehr in Abgang gekommen, da die Holländer die Rheinmündungen mit großen Netzen absperren und die rheinaufwärts gelegenen gewerblichen Etablissements ihre Abwässer dem Strome zufuhren. Nicht lange mehr, und auch dieses anmutige Idyll - die Poller Fischerei - lebt nur noch in der Geschichte.

 

Poll en ahler Zick

Von Gerhard Küpper

übertragen von Hans Burgwinkel

aus Peter Simons, Illustrierte Geschichte von Deutz, Kalk, Vingst und Poll,

Cöln-Deutz 1913, Seite 356 - 357

mit freundlciher Genehmigung der Erben

 (Melodie Fiakerlied)

Wat wore doch en Poll noch schön Zigge,

Wohl jeder sich noch erinnere kann,

Als an der Gehlpötz(?) stunte noch die Wigge,

Wo mir manch Maifleut uns gekloppt han,

Glich dran die Fescherbud

Jo dat Geschäft ging got,

Et gov vill Fesch bei b(?)ell’ger Kood (?).

Maifesch Kare voll,

Fuhr mer do vum Rhing no Poll,

Och Makrele, Salm un Hech

Pfund ze fufzehn Pfennig kräg,

un de Pach wor gar nit döör,

Jedes Johr kräg mer ne Stöör,

Die Fesch’re wote rich;

Manch hät en Huus, en Schöör,

En rude Nas gekrich.

 

Weilzo der Zick en Poll nit vill Familie

Die Fesch’re wohte he Waar nit quitt,

Mit der „Tant Tring“ fuhr jeden Dag et Zillige

Die Fesch noh Kölle en ’ner große Schütt.

Et Zillige met der Tant,

Woht mänchesmol geschant,

Dann gov et Bachfesch mänchen Quant,

Doch zum Maufeß lad et en

All sing Fründe, Ehreß(?) un Henn,

Wahl en dreßig Stöck, ich gläuv,

All no Zeie op de Läuv.

Doch nie goov et Keilerei,

Wenn’t op heim ahn ging,

Jeder hat ’ne boore Platz gekräg

Von der Tant Tring.

 Dät mancher en de Stadt die Auge riefe

Des Morgens fröh vörm ehste Hahneschrei,

Dann jökten lans die Sausweid räch vill Wiever

Met gode Milch vom Nache, zo der Kai.

Dren word sich räch postiert,

Gerodert und gerührt

Un och mänch löstig Wooht geführt,

Zwesche sich die Kaffeekann

Un vör sich die Äpelspann,

Dren die W(?)inzcher, fresch gequällt,

Führt zum Mung mer ungeschällt,

Ehz en Eng dat Schraatle nohm

Zum Niklaus wood gebäät,

Dat hä jedem got Geschäff

 

 

Un vill Säge bräät.

En Kölle jedermann sooch gähn dä Nache,

Nohm gähn die Milch, die üvver Wasser kohm,

Denn trotz de Rhingfahrt, die se doch moht maache,

De „ungedäuf“ stets en de Hüüser kohm.
Doch log ens Ihs off Schnei,

Dann fuhr nit mieh de Kai,

Dann wohr de Herrlichkeit vorbei !

Met dä Kanne op dem Häuf,

Jung un alt op Düx an läuf,

Bis, weil dat doch lästig eß,

Einer nimmt en Eierkeß.

Paar Räder drunger, Hungk dofür,

Wie ne Bletzzog läuf dat Dier.

Vergesse wor de Kai!

Un em Rüppche wor en Poll

En Hundezüchterei!

 

Dat wohr schön! – Doch wor ens usgefahre

Die Schiffsbröck morgens, dat kütt och ald für,

En langer Reih’ mer sooch die Hundewaage

Opgefahre, wie die Att’lerie.

Wenn jede Hungk sich größ,

Dat klung su leev, su söß,

Und alles woht dobei nervös.

„Nero“ singe „Spitz“ ahnbellt,

„Sultan“ zu dem „Karo“ hält,

„Flock“ un „jeck“ sin och nitt stell;

Un dozwesche schreit dat „Bell“.

Alles hät jetz schwere Strick,

Manche Milchkann schleit die Zick.

Jo dat wor en Zick!

Mänche Poll denk met Freud:

Wor schöner doch wie hück:

 

Aus Sturmes Not

Gerhard Küpper, übertragen von Hans Burgwinkel

aus Peter Simons, Illustrierte Geschichte von Deutz, Kalk, Vingst und Poll, S. 92 - 94

mit freundlicher Genehmigung der Erben

 

Dumpf rollet der Sturm und dränget mit Wut.

Durch Felder und Auen des Hochwassers Flut.

Wild brauset und tobet er dort um ein Haus.

Das weit ragt vom Land aus den Wogen heraus

Und drinnen die Mutter, der Kinderlein Schar,

Sie beten, sie flehen, sie seh’n die Gefahr. –

Doch höher und höher die Flut schwillt an,

O Gott, stehe uns bei, O rette wer kann.

Da plötzlich wird stiller der Windsbraut Gewalt,

Durch Wetter und Wogen es schaurig erschallt:

„O rettet, O holt uns vom schrecklichen Ort,

Wir sinken hinunter, wir treiben hier fort.“

Sie ringen verzweifelt die Hände und schreih’n,

Das keiner hier Retter und Helfer will sein,

Und heftiger sturmet’s, jetzt kommen gezogen

Durch die Gassen der schäumenden Wogen.

Das Häuslein erzittert im Toben der Wellen,

es kracht in den Fugen, als wollt’ es zerschellen

Kein Mensch auf dem Land die Gefahr hat geacht’,

Wer bringt uns die Rettung, herein bricht die Nacht!

Doch atemlos lauschet die Menge am Strand,

ob niemand es wage mit sicherer Hand.

Und sieh, durch die Gaffer die Bahn machet sich Bahn

Ein Fischer vom Dorfe, schon sitzt er im Kahn.

Du Gott, gib ihm Kraft nun und Mut auch un Stärk’,

Daß wohl ihm gelinge das rettende Werk.

Schon steuert der Mut’ge trotz Wogengebraus

Als alter Fährmann zum „Kopf“ dort hinaus.

Vom Häuschen her winkt ihm ein zitterndes Wicht,

Das ist sein Ziel den Kahn drauf gericht’.

Bald ist es erreicht, es freut sich sein Herz,

Dankend schon schauet er himmelwärts

Doch Strudel und Wirbel erfassen den Kahn

Sie dreh’n ihn im Kreise, tief seufzet der Mann.

Ermüdet entsinkt ihm das Ruderblatt

„Nun sind wir verloren!“ – ertönet es matt.

Verloren ? – Verloren ? – Schon steht wieder frisch

Der Fischer im Nachen im Wogengemisch.

Die Ruder sich biegen, so fest holt er aus,

Ich muss sie doch holen vom schwankenden Haus.

„Es naht Euch Rettung, macht schnell Euch bereit,

Nicht lange das Schicksal hier lasset uns Zeit.“

Und kracht auch das Häuslein, gar mutig legt an

Der Held dort vom Dorfe den rettenden Kahn.

Schnell schiebt er hinaus von des Bootes Rand

Ein Brett hin zur Treppe und reichet die Hand.

Dann holt er für’s erste die Kleinen, die schrei’n,

und bettet sie sanft in den Nachen hinein.

 

 

Wild tobet der Sturm, es krachet das Haus,

nun bringt er die zitternde Mutter heraus.

Er wehret den Dank, „Es war meine Pflicht“,

Kaum stößet er ab, die Mauer einbricht.

Und unter Getöse die polternde Flut

Entführet den Armen ihr Hab und ihr Gut.

Schwer atmet die Menge am Lande und fleht

Um Rettung der Braven zu Gott im Gebet.

Noch heben die Wellen das schwankende Boot,

Daß alle erfasset die schreckliche Not.

Doch kraftvoll birgt aus des Todes Schlund

Der Retter sie alle auf sichern Grund.

Die Gaffer am Strande, die lang dort geschaut,

Mit Jubel sie grüßen den Edlen nun laut.

Und alle sie drücken dem Fischer die Hand,

Der bescheiden und schnell sich der Menge entwand.

Schon zählet der „Jüngling im schneeweißen Haar“

Der Jahre 83 es ist und bleibt wahr,

Daß der Himmel den „Pattühm“ gesegnet schon hat

Mit hohem Alter für die mutige Tat.